Mittwoch, 8. Juli 2015

Musik-Merksystem für das freie Klavierspiel

Alle meine Entchen, wer kennt es nicht. Das obige Notenblatt steht oft dem dem freien Spiel ohne dieses Notenblatt, dem Auswendigspielen, im Weg. Es wird zur liebgewonnenen Krücke, ohne die man keinen Schritt laufen möchte, selbst dann, wenn die Knochen längst wieder heil sind.
Deshalb transformieren wir dieses Notenblatt in dieses visuelle Musik-Merksystem:

und in dieses auditive Musik-Merksystem:



Beide Systeme befreien uns aus der Sklaverei der Notenblätter und ermutigen uns darüberhinaus mit der Melodie, den Harmonien und den Rhythmus-Pattern zu experimentieren - und ganz nebenbei diesen Song und alle weiteren fünf in diesem ersten Band des E-Books auswendigzulernen und auswendig zu spielen.

Wie das funktioniert? Mit wenigen Regeln, die Ihnen das E-Book "Auswendigspielen leicht gemacht" nacheinander vorstellt.

Folgende Songs werden in diesem ersten Band umgesetzt:

1. Alle meine Entchen
2. Happy Birthday
3. We are the Champions
4. Gute Nacht Freunde
5. Sailing
6. Fields of Gold

Ausprobieren! Es winkt das ein und andere Bier - für den Mann am Klavier 

Lohnt sich dieser Aufwand überhaupt?
Natürlich ist es mit einer ziemlichen Arbeit verbunden, Notenblätter in unser Musik-Merksystem "umzuschreiben". 
Es sei denn, Sie überlassen mir weiterhin diese Arbeit und kaufen die geplanten Folgebände dieses E-Books. 
Aber auch wenn Sie Ihre ganz speziellen Lieblingshits mithilfe dieses Merksystems eigenhändig transformieren wollen, lohnt sich der Aufwand gleich in mehrfacher Hinsicht.
Ziel ist natürlich, dass wir am Ende die Taktelemente der verschiedenen Songs schließlich "im Kopf haben". Ganz spielerisch! Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: 
Auswendiglearning by Doing. 
Das heißt, nachdem wir unseren Song in diese bunten Rechtecke umgewandelt haben, wollen wir nur noch diese Vorlage nutzen, wenn wir uns ans Klavier setzen, uns die Ziehharmonika umschnallen oder zur Gitarre greifen.
Durchaus hilfreich ist es dabei, die Symbole im Kontext des Liedtextes (!) in Bilder, in griffige (!) Bilder umzuwandeln. So sehe ich beispielsweise bei "We are the Champions" beim ersten Symbol des Songs Männer die weiß-rote Fahne schwenken, das Publikum, das damit seine Sieger feiert, jene Sieger, die im nächsten Symbol auf der violetten Diagonale aufgereiht sind wie die Gold-, Silber- und Bronze-Medaillisten einer Olympiade. Im dritten Symbol mit der Textpassage "my friend" erkenne ich ein Wasserbett, auf dem sich zwei - Schwule (!) rekeln, der eine vielleicht sogar mit schwarzem Schnauzer, wie Freddy himself.
Und so weiter und so fort. Sie merken schon: Solche "süffigen" Geschichten sind nicht jedermanns Sache. Und wenn ich hier damit fortführe, meine Geschichte dieser Taktsymbole weiterzuerzählen, liefe ich Gefahr, Ihre eigene Geschichte, die Sie zweifellos finden werden, kaputt zu machen.
Diese Geschichte - zusätzlich zu den farbigen Symbole, die auch alle schon mit den jeweiligen Textteilen des Songs "verankert", verlinkt sind, macht es Ihnen gleich dreifach leichter, diesen und alle weiteren Songs ganz ohne Zuhilfenahme Ihres Smartphones aus dem Gedächtnis in Töne umzuwandeln.
Aber auch bis dahin haben Sie schon einen unschätzbaren Vorteil von diesem Musik-Merksystem. Denn sowohl das sklavische Abspielen von Noten als auch das hilflose Zusammengeklimper von Melodien und Harmonien gehört ab sofort der Vergangenheit an.
Und mehr noch: Weil dieses Merksystem im Gegensatz zum Notenblatt einige Freiheiten gewährt, was etwa Begleitpattern und Stimmführung angeht, nutzt unser Hirn interessanterweise diese Freiheiten auch, immer mehr Variationen auszuprobieren und je nach Laune sich für die ein oder andere im entsprechenden Augenblick zu entscheiden. Was nicht so leicht passiert, Gott sei Dank, ist, sich schließlich auf eine letztgültige Version festzulegen, wie das beim Vom-Blatt-spielen und Vom-Notenblatt-auswendig-lernen der Fall ist.
Zu den "Freiheitsgraden":
  • Stimmführung, spiele ich also die Melodie mehrstimmig oder doch einstimmig, lege ich das Dreiklangmaterial in die linke oder zusammen mit der Melodie in die rechte, und
  • Begleit-Pattern, spiele ich den Song als Folksong oder in einem bestimmten Tanzrhythmus, kommt dann bald auch der Freiheitsgrad der
  • Harmonisierung, denn zu jedem Dreiklang gibt es einen, der ihn ersetzen kann, kann jeder Dreiklang durch zusätzliche Töne verändert werden.
So haben wir zum Beispiel den Septakkord kennengelernt, der zum Dreiklang die siebte Stufe hinzuliefert. Aber auch jede weitere "natürliche" Tonstufe kann als vierter Ton dazukommen, oder gleich mehrere dieser Töne den Dreiklang zum Vier-, Fünf- oder Sechsklang erweitern.
Wo dabei die Grenze ist, wenn es die überhaupt gibt, weiß ich nicht. Vielleicht ist die natürliche Grenze ja am Klavier durch die zehn Finger gegeben – also ein Zehnklang -, wobei es aber von Mozart wohl ein Stück geben soll, das unter Zuhilfenahme der Nase des Pianisten zum Elfklang führt.
Egal wie. Mit diesen neuen Harmonien kann eine Melodie ganz "neu" klingen, aber auch "schräger" - und manchmal auch zu schräg. Auf jeden Fall erhöht unser Musik-Merksystem die Wahrscheinlichkeit ganz erheblich, dass wir uns an solche "Experimente" überhaupt heranwagen.
Auf dem Notenblatt sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht, will heißen: Die Noten vernebeln dem weniger begnadeten Musiker die Sicht auf die Strukturen des Musikstückes. Aber nur wer diese Strukturen kennt, kann sie verändern, kann sie sinnvoll fortschreiben.
Und genau das gelingt unserem Musik-Merksystem. Wir werden Wissende, breiten unsere Schwingen aus und verlassen so viel sicherer und einfacher, als uns dies über unsere Notenblätter gelingen könnte, den Status eines nur nachplappernden Lebewesens vom Schlage eines Wellensittichs ;-).